Joachim Schlotterbeck zum 100. Geburtstag

Er war das „Enfant terrible“ und zugleich die Seele der Würzburger Kunstszene: Joachim Schlotterbeck. Am 12. August 2026 wäre der Maler und Grafiker 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Jubiläum blickt die Stadt auf ein Lebenswerk zurück, das wie kaum ein anderes die Brücke zwischen fränkischer Tradition und mediterraner Lebensfreude schlägt.

Geboren 1926 in Würzburg, blieb Schlotterbeck seiner Heimatstadt zeitlebens eng verbunden, auch wenn ihn seine Sehnsucht regelmäßig in seine zweite Heimat nach Sizilien zog. Diese Symbiose aus unterfränkischer Erdung und italienischem Licht prägte seinen unverkennbaren Stil, der sich zwischen expressivem Realismus und poetischer Abstraktion bewegte.

Ein Leben für die Kunst und das Sammeln

Schlotterbeck war nicht nur ein produktiver Schöpfer von Gemälden, Kreidezeichnungen und Aquarellen, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler. Seine Wohnungen – ob unter dem Dach des berühmten Falkenhauses oder später in der Plattnerstraße – glichen Museen, in denen er Gäste empfing und seine Kunst inmitten von Antiquitäten und Kuriositäten inszenierte.

Seine Motive blieben dabei oft dem Nahen und Schönen treu:

  • Pflanzen- und Blumendarstellungen:Üppige Stillleben, oft mit Zitronen oder Trauben als Hommage an seine fränkisch-italienische Identität.
  • Köpfe und Akte:Ausdrucksstarke Studien menschlicher Physiognomie.
  • Landschaften:Skizzen und Gemälde, die seine Reisen und die Liebe zur Natur dokumentieren.

Das Erbe eines „Lebenskünstlers“

Obwohl Schlotterbeck nach einem Schlaganfall im Jahr 2005 nicht mehr malen konnte, blieb seine Präsenz in der Stadt bis zu seinem Tod 2007 ungebrochen. Heute sind seine Werke in bedeutenden Sammlungen wie der des Museums im Kulturspeicher vertreten, finden aber auch bei privaten Sammlern in der Region weiterhin große Resonanz.

Zum 100. Geburtstag erinnern zahlreiche Weggefährten und Kunstfreunde an einen Mann, der sich stets weigerte, in feste Kategorien zu passen. „Schlotterbeck war komplex, schillernd und immer authentisch“, so ein langjähriger Beobachter der Szene. Sein Jubiläum bietet nun die Gelegenheit, die zeitlose Qualität seiner Farbwelten neu zu entdecken.

Zusammenhalt in Vielfalt

Im Umfeld des UNESCO-Welttags der kulturellen Vielfalt beteiligen wir uns in Würzburg vom 19. bis 21. Mai 2026 an dieser Initiative.

Wir:

der COUNCIL für KUNST und DESIGN und der VDMD, führender Berufsverband für Mode, Textil und Home.

Ziel ist die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts

und Sichtbarmachung vo nVielfalt, basierend auf den 15 Thesen der Initiative kulturelle Integration für Zusammenhalt in Vielfalt:

Dienstag, 19. Mai

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wir unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten können und welche Rolle die verschiedenen Akteure dabei spielen können.

Wie können wir in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft ein gemeinsames Fundament stärken?

Welche Rolle spielen Werte, Dialog und gegenseitiges Verständnis für ein zukunftsfähiges Zusammenleben?

Der Leitgedanke Zusammenhalt in Vielfalt setzt sich mit den zentralen Fragen eines sozialen und nachhaltigen Miteinanders auseinander. Ausgangspunkt bilden die 15 Thesen der UNESCO, die Impulse für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in pluralen Lebensrealitäten geben.

Nach einem einführenden Vortrag teilen im anschließenden Sofa.Gespräch Vertreter aus Praxis, Kultur und Gesellschaft ihre konkreten Ansätze für mehr Zusammenhalt. Unser Ziel ist es, Vielfalt als Stärke zu begreifen undgemeinsam Wege für ein respektvolles, inklusives und nachhaltiges Miteinander zu gestalten.

CIVIC Design richtet den Blick auf unsere Gemeinschaft: auf öffentliche Räume, soziale Strukturen und das Miteinander in einer zunehmend komplexen Welt. Es geht darum, Menschen einzubeziehen, Teilhabe zu ermöglichen und gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln – von Nachhaltigkeit über Stadtentwicklung bis hin zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. Ausgehend von Ansätzen des Social Design betrachten wir, wie solche Räume initiiert, entwickelt und begleitet werden können – und welche Rolle wir selbst dabei spielen können. Denn gesellschaftlicher Zusammenhalt ist kein abstraktes Konzept, sondern entsteht durch unser tägliches Handeln, unsere Haltung und unsere sprachliche Kommunikation. Analoge Sprache ist dabei nicht wegzudenken. Sie prägt unser Denken, unser Miteinander und unser Verständnis von Zugehörigkeit. Sie kann Brücken bauen, Identität stiften und Teilhabe ermöglichen – oder auch ausschließen.

Kunst wirkt dort, wo reine Argumente oft nicht mehr reichen: auf der emotionalen, symbolischen und gesellschaftlich reflektierenden Ebene. Sie kann Spannungen sichtbar machen, Perspektiven verschieben und neue Formen des Miteinanders erproben. Gerade beim Thema Geschlechtergerechtigkeit – als ein Eckpfeiler unseres Zusammenlebens wird Kunst zu einem wichtigen Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt. DENN: Kunst macht den Gender Gap sichtbar – eindrücklicher als Zahlen.

Die Künstlerin Gloria Keller legt diese Strukturen in ihrer Malerei offen und regt damit gesellschaftliche Debatten an. Sichtbarkeit ist hier der erste Schritt zu mehr Gerechtigkeit. In der Galerie Kunsthaus Michel in Würzburg stellt Gloria Keller die weibliche und die nicht-binären Perspektiven bewusst ins Zentrum und zeigt dadurch ein historisches Ungleichgewicht auf mit dem Ziel der Geschlechtergerechtigkeit.

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG der Künstlerin Gloria Keller in der Galerie Kunsthaus Michel in Würzburg. Gloria Keller bringt durch ihre Kunst Menschen zusammen, unabhängig von Herkunft, Bildung oder sozialem Status. Sie macht Ungleichheit sichtbar, schafft Empathie und eröffnet Räume für Dialog und Veränderung. „Die Welt ist aus den Fugen geraten.

Vertraute Ordnungen verlieren ihre Gültigkeit, Sinnzusammenhänge kippen ins Absurde.“

Durch den interdisziplinären Ansatz mit Gloria Kellers Ausstellung und urbaner Literatur wird das Thema ‚Zusammenhalt in Vielfalt‘ von einer ethischen Forderung zu einer messbaren Design- und Managementstrategie transformiert. Kunst trägt nicht nur zur Debatte bei – sie verändert, wie wir uns selbst und andere sehen. Und genau darin liegt ihr Potenzial für mehr Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft.

Mittwoch, 20. Mai

Sprache und Schrift sind weit mehr als reine Kommunikationsmittel – sie sind zentrale Werkzeuge für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Eine gemeinsame Sprache hilft Menschen, sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Über Begriffe, Redewendungen und Narrative entsteht ein „Wir-Gefühl“. Schrift verstärkt das, indem sie gemeinsame Geschichten, Werte und Erinnerungen festhält – von Verfassungen bis hin zu Literatur. Wo Menschen sich ausdrücken können, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen und Konflikten. Sprache schafft Raum für Dialog, Verhandlung und Kompromiss. Schrift macht diese Prozesse nachvollziehbar und verbindlich – etwa durch Gesetze, Verträge oder öffentliche Debattenbeiträge. Schrift ermöglicht es, Wissen zu speichern und zu verbreiten – unabhängig von Zeit und Ort. Wer lesen und schreiben kann, hat bessere Chancen, sich zu informieren, mitzuwirken und gehört zu werden. Das stärkt demokratische Prozesse und soziale Gerechtigkeit.

Eine besondere Veranstaltung mit Yona-Dvir Shalem, Dichter, Übersetzer und Theologe (Doktorand an der Radboud-Universität in Nijmegen, Niederlande). Schon einmal hat er mit seinen Veranstaltungen im August 2024 im Kunsthaus Michel gezeigt, wie ein Miteinander zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen möglich ist. „Es gibt noch ein Licht aus Erinnerungen: Displacement“.

Wasser ist immer das, was uns Menschen verbindet – jene, die am Mittelmeer leben, am Main oder an anderen

Flüssen der Welt (mit Stimmen u. a. auf Hebräisch, Arabisch und Deutsch) – die in einem großen Wasser zusammenfließen. Wer dabei sein möchte, bringt bitte Wasser mit: wenn möglich aus dem eigenen Wasserhahn zu Hause im Glas, in der Flasche oder in einer anderen Form.

Der Dichter Yona-Dvir Shalem bringt multidisziplinäre KünstlerInnen aus verschiedenen Kulturen zusammen – nicht um sie einzuebnen, sondern um die Unterschiede zu feiern. KünstlerInnen verschiedener Herkunft zeigen, dass ein Miteinander möglich ist: es geht doch anders, auch wenn wir verschieden sind.

Donnerstag, 21. Mai

Austausch zwischen dem COUNCIL für KUNST und DESIGN, dem BBK und dem VDMD zum Thema: was triggert engagierte Designende und Kunstschaffende? Warum wir Ehrenämter angenommen haben und der VDMD seit 40 Jahren Designende unterstützt. Hier wird der Bogen zum bürgerschaftlichen Engagement geschlagen. Wir haben Antworten abgefragt: „Ich engagiere mich ehrenamtlich, weil gesellschaftliche Veränderungen oft dort entstehen, wo Betroffene, Fachleute und Zivilgesellschaft aktiv werden und politischen Druck aufbauen.“

„Ehrenamt ist für mich ein direkter Weg, Themen aus der Praxis in politische Entscheidungsprozesse zu übersetzen.“ „Viele gesellschaftlich relevante Themen werden politisch zu langsam oder unzureichend aufgegriffen – ehrenamtliches Engagement hilft, diese Lücke zu schließen.“ „Ich sehe im Ehrenamt die Möglichkeit, reale Bedarfe sichtbar zu machen und in politische Prozesse einzubringen.“

Die Integration lokaler internationaler Gastronomie als lebendiges Beispiel für gelungenes Local Branding. Wir untersuchen, wie kulinarische Räume als universelle Sprache des Vertrauens fungieren. Wie gestalten wir Räume für interkulturellen Dialog? Warum ist zivilgesellschaftliches Engagement der „Klebstoff“ unserer Wirtschaft? Wir möchten Theorie in erlebbare Praxis verwandeln. Unsere Vision ist es, die internationale Gastronomie unserer direkten Nachbarschaft in der Semmelstraße Würzburgs aktiv in das Forum einzubinden. Lokale Gastronomen bringen ihre „Signature Dishes“ als Verkostung mit. Für die Teilnehmer entsteht so ein „Experience Design“ der besonderen Art: Networking findet nicht am klassischen Buffet statt, sondern durch das Entdecken fremder Kulturen direkt vor der Haustür. Kulinarik als Brückenbauer.

GROSSSTADT-LITERATUR „großraumdichten & kleinstadtgeschichten“

Das ist Bühnen-Poesie und Neonlyrik, das sind poetische und satirische Kurzgeschichten, Spoken-Word-Texte und

andere Künste, das ist die Würzburger Lesebühne. Die Autorinnen Pauline Füg und Ulrike Schäfer, beide Kulturförderpreisträgerinnen der Stadt Würzburg, präsentieren zusammen mit dem Bühnenpoeten Tobi Hegel ihre neuesten Werke und laden als Gäste KünstlerInnen aus der Region und dem gesamten deutschsprachigen Raum zu einem gemeinsamen Programm auf die Bühne, das von literarischen Kurzgeschichten bis Slam Poetry und von Klassik bis Rap reicht. Erklärtes Ziel ist es, mit diesem außergewöhnlichen Profil ein breites Publikum zu begeistern von Alt bis Jung und von BesucherInnen klassischer Lesungsformate bis zu FreundInnen der Popkultur.

Gäste der Frühjahrs-Lesebühne sind der Stuttgarter Autor 

Moritz Heger und die Singer-Songwriterin Shaegi.

Für diese Veranstaltung 10 € Kulturbeitrag.

Weitere Infos auf www.grossraum-kleinstadt.de. Literaturhaus Würzburg die Würzburger Lesebühne

Alice wundert sich oder: Die Welt steht Kopf

Malerei und Zeichnung

Die Welt ist aus den Fugen geraten.

Vertraute Ordnungen verlieren ihre Gültigkeit, Sinnzusammenhänge kippen ins Absurde. Die Ausstellung greift diesen Zustand der Verunsicherung auf und entwickelt eine Erfahrungswelt, in der Identität, Körper und Wahrnehmung nicht stabil, sondern wandelbar sind.

Inspiriert von Lewis Carrolls Buch Alice im Wunderland zeigen Gloria Kellers Bilder der Werkreihe Alice wundert sich eine wundersame Realität, in der Größenverhältnisse, Sprache und Rollen
ständig wechseln. Begegnungen folgen keiner nachvollziehbaren Logik, sondern eigenen, undurchschaubaren Regeln. Doch statt Orientierungslosigkeit entsteht Raum für Aufmerksamkeit und
Hinterfragen.

Zwischen Nonsens und Tiefsinn verhandelt die Ausstellung zentrale Fragen nach dem Ich: Wer bin ich, wenn sich alles verändert? Wie entsteht Identität unter instabilen Bedingungen? Und wie wird die Welt wahrgenommen, wenn gewohnte Strukturen außer Kraft gesetzt sind?

Ausstellung: 19. Mai 2026 – 26. Juni 2026

UpArt – Ulli Heinlein & Kerstin Römhild

Kerstin Römhild :

Kerstin Römhild nutzt als Medium primär die Fotografie. Ihre Arbeiten zeigen die Schönheit von Alltäglichem als auch von vermeintlich Hässlichem und machen sichtbar was man normalerweise nicht oder vielleicht mit ganz anderen Augen sieht. Verwitterte Fassaden, Spiegelungen und Schatten besitzen eine eigene faszinierende Ästhetik. Mit Licht und Schatten spielt auch die Serie Vollmondschein. Aus ihr wurden die Textilarbeiten Ich seh´Gelb entwickelt. Gelb als Kontrast- und Signalfarbe zeigt sich im Wechselspiel mit den monochromen Schattenbildern.


Ulli Heinlein:

Ulli Heinleins künstlerische Praxis basiert auf der Verwendung recycelbarer Materialien und der aktiven Einbindung des Publikums. Die Arbeiten eröffnen durch humorvolle Interventionen und transparente Arbeitsprozesse einen unmittelbaren Zugang, der ästhetische Erfahrung mit inhaltlicher Reflexion verbindet.

In den Live-Performances wird die auch Geduldsfadenmaschine als zentrales Element aktiviert und in ihrem funktionalen wie symbolischen Innenleben erfahrbar gemacht. Besucher*innen sind eingeladen, sich partizipativ zu beteiligen und einen individuellen Geduldsfaden mitzunehmen.

KATJA TSCHIRWITZ: WELLBLECHDACH UND WASCHBETON

Eine Würzburgliebe auf den zweiten Blick

Ist Würzburg eine barocke Stadt? Ja. Auch.

Für ihr Fotoprojekt Wellblechdach und Waschbeton spürt Katja Tschirwitz urbaneArchitektur jenseits von Residenz und Käppele auf. Ihre im Experiment entwickelten Zweifach-Fotografien setzen bauliche Schönheiten in Szene, die sich in entlegenen Winkeln der Stadt verstecken sowie dort, wo man alltagsblind geworden ist: im Wohnblock, im Industrie- oder Gewerbegebiet, auch in Gemeinden im Umland.

Mit leisem Humor und scharfem Auge fürs Detail feiert Katja Tschirwitz eine teils schon untergegangene Ästhetik, darunter die BayWa in ihrer tempelartigen Pracht oder eine Zellerauer Fabrikhalle mit Sägezahndach. Denn Bauland ist derzeit heiß umkämpft, die Materialschlacht gigantisch. Wunderbares aus der Vergangenheit weicht Neubauten, deren Tauglichkeit sich erst noch beweisen muss. Wellblechdach und Waschbeton kitzelt und hält die heimliche Poesie wach, die in Würzburgs unspektakulärsten Ecken schlummert(e). 

Architektur muss weder prachtvoll barock noch nagelneu sein, um schön und damit sehr, sehr nützlich zu sein. 

Für die Würzburgliebe auf den zweiten Blick.

Brücken sind wie ein Handschlag Ein englischer Landschaftsmaler in Würzburg

„Ich liebe Brücken,“ sagt der englische Landschaftsmaler Stephen Bithell aus der südenglischen Hafenstadt Weymouth. Man schlage Brücken, um weit Auseinanderliegendes zu verbinden. „Sie sind wie ein Handschlag.“ Er stellt seine kleinformatigen Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus Würzburg und Weymouth im Kunsthaus Michel aus.

Der akademisch ausgebildete Maler sieht in Motiven, was andere nicht sehen: Stimmungen, Verbindungen und Emotionender rollenden Hügel, des Meeres und der Küstenlinie des Weltkulturerbes Jurassic Coast in Dorset, wie auch den Main, die Festung und die Brücken in Würzburg. Man sieht ihn malend in Weymouth, der Stadt am Meer, mit seiner Handstaffelei wie schon einmal und nun auch wieder in der Stadt am Main. So geben sich beide Städte die Hand.

Er sieht nicht nur das verbindende der Hebebrücke im Hafen von Weymouth und der Alten Mainbrücke in Würzburg. Er ist selber ein Brückenbauer: Bithell schickte während der Pandemie Menschen kostenlos seine Werke, die ihnen Trost in der Einsamkeit des Lock-downs spenden sollten. Das wurde in einer landesweiten Sendung verbreitet. „Kunst baut Brücken zwischen Menschen,“ sagte er damals.

Vom 13.10. bis 14.11.2025 lädt das Kunsthaus Gerd Michel die Würzburger Kunstinteressieren ein, sich in den stimmungsvollen Bildern aus Weymouth und Würzburg zu verlieren. Die Würzburger Gruppe der Urban Sketchers ist mit ihm in de Stadt unterwegs. Er selbst trifft sein Publikum am 28.10.2025, 19 Uhr. Um ihnen die Hand zu reichen und Brücken zwischen Weymouth und Würzburg zu bauen.


Bridges are like handshakes

An English landscape painter in Würzburg

‘I love bridges,’ says English landscape painter Stephen Bithell from the southern English port town of Weymouth. Bridges are built to connect things that are far apart. ‘They are like a handshake.’ He is exhibiting his small-format oil paintings, watercolours and drawings from Würzburg and Weymouth at the Kunsthaus Michel.

The academically trained painter sees things in his motifs that others do not: moods, connections and emotions in the rolling hills, the sea and the coastline of the Jurassic Coast World Heritage Site in Dorset, as well as the river Main, the fortress and the bridges in Würzburg. You can see him painting in Weymouth, the town by the sea, with his hand-held easel, as he did before and will do now again in the city on the river Main. This way, the two cities shake hands.

He not only sees the connection between the lift bridge in Weymouth Harbour and the Old Main Bridge in Würzburg. He is a bridge builder himself: during the pandemic, Bithell sent people his works free of charge to comfort them in their loneliness of the lockdown. This was broadcast in a nationwide programme. ‘Art builds bridges between people,’ he said at the time.

From 13 October to 14 November 2025, Kunsthaus Gerd Michel invites Würzburg art lovers to lose themselves in the atmospheric images from Weymouth and Würzburg.The Würzburg group of Urban Sketchers will be out and about in the city with him, too. He himself will meet his audience on 28 October 2025 at 7 p.m. to shake their hands and build bridges between Weymouth and Würzburg.

MÄRCHEN.KRAFT

Große Preisverleihung
im COUNCIL für KUNST und DESIGN

Kurz vor Weihnachten verlieh der COUNCIL für KUNST und DESIGN die Preise des Wettbewerbs MÄRCHEN.KRAFT an drei 9-jährige Kinder und drei 12-jährige Jugendliche. Der gemeinnützige COUNCIL steht seit 2018 für Förderung und Vernetzung von Kunst und Design, sowie von Künstler.innen und Designer.innen. Sein Ziel ist, eine breite Öffentlichkeit dafür zu begeistern, gemeinsam innovative, integrative und interdisziplinäre Projekte zu entwickeln.

Der erste Vorsitzende des COUNCILs, Gerd Michel, freut sich, dass zu den wöchentlichen Kunst-, Kultur- und Designveranstaltungen, sowie zu den Workshops und jährlichen Kongressen über Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, ein MÄRCHEN.KRAFT- Wettbewerb ausgeschrieben werden konnte mit Förderung der Stadt Würzburg und der Stiftung Sparkasse Mainfranken.

Der COUNCIL lud Kinder, Jugendliche, Kunst-affine Erwachsene und Kunstschaffende ein, „zeitgemäße Märchen zu schreiben, zu malen und zu zeichnen.“ Heißt, ein Jetzt-Problem zu beschreiben, die damit verbundenen Konflikte zu erzählen und schlussendlich eine Lösung zu antizipieren, die die Lesenden packt in eine aktive Stimmung versetzt.

Juriert wurden die eingereichten Märchen von Benedikt Stegmayer, Kulturreferent der Stadt Würzburg; Mathias Wiedemann, Kulturredakteur der Mainpost; Rainer Greubel, Autor; Gabriele Kunkel, Professorin und Autorin; Marlies Juchhoff, Schulleiterin i.R. und Volkmar Halbleib, MdL Bayern. 

Die Jury hat einstimmig entschieden, zwei 1. Preise an die 9-jährigen Jungen Justus Hinkel aus Winnweiler bei Mainz und Julius Schimpf aus Stuttgart zu vergeben, zwei 2. Preise an die 9-jährige Lina-Marie Triol aus Bad Kissingen und an die 12 -jährige Clara Schimpf aus Stuttgart, sowie zwei 3. Preise an die beiden 12-jährigen Mädchen Emilia Triol aus Bad Kissingen und Anna Hahn aus Würzburg.

Die 6 Heranwachsenden haben mit ihren Märchen-Geschichten die Kraft erfasst, die Märchen entfachen können. So war die Aussage von Justus, dass Reichtum sich nicht lohnt, weil man beneidet wird und dabei Freunde verliert. Julius Protagonist bewältigt Angst durch sich selbst, Lina-Marie erzählt, wie Mut und sich Einlassen belohnt wird, Clara erfindet unser Bildungssystem neu, Emilia beschreibt die Gefahr von Schönheitsidealen und Anna malt einen Phönix, der beweist, dass man immer von vorne anfangen kann. Ab 1. Januar 2025 wird es ein gedrucktes Märchenbuch dazu geben.

Alle eingereichten Werke können noch bis zum 27. Januar in der Ausstellung MÄRCHEN.KRAFT gelesen und gesehen werden im Kunsthaus Michel in der Semmelstraße 42 (Innenhof). Gerd Michel betont, dass die MÄRCHEN.KRAFT weitergeschrieben wird mit einem nächsten Wettbewerb im Jahr 2025.

Kontakt kann aufgenommen werden über www.artdesigncouncil.de,
info@artdesigncouncil.de oder 0176 31268197.

THE INVISIBLE

KATJA LOTTER

ÜBER DIE OFFENLEGUNG VON MACHTSTRUKTUREN

UND MACHTMISSBRAUCH

Ein fester Bestandteil unseres sozialen Lebens sind Machtstrukturen und der daraus resultierende Missbrauch von Macht. Eine große Dunkelziffer an Fällen und Betroffenen bleibt jedoch unsichtbar. Mit diesem Thema setzt sich Katja Lotter in der Designausstellung THE INVISIBLE auseinander – in Form von Fotografien sowie Designobjekten, Installationen und Videos. Die Arbeiten sind durch ge­stalterische Experimente entstanden, parallel zur wissenschaftlichen Erforschung des Themas und im Austausch mit Betroffenen.

Die Ausstellung THE INVISIBLE öffnet einen Raum, in dem Besuchende ihre persönlichen Erfahrun­gen reflektieren und ihre Aufmerksamkeit für das Thema schärfen können. Statt Symptome zu lin­dern, wird der Fokus der Arbeiten auf die Grundstrukturen und Dynamiken von Macht und Machtmiss­brauch gelenkt. Denn durch Sichtbarkeit und Verständnis für das Thema kann mit einfachen Mitteln frühzeitig gehandelt und in die Automatismen eingegriffen werden, um Betroffene zu schützen. Es ist ein Versuch, durch Design einen neuen Blick auf das Thema zu gewinnen, es nach außen zu tragen und so gemeinsam dem Missbrauch von Macht entgegenzuwirken.

THE INVISIBLE ist die Abschlussausstellung von Katja Lotter, Fotografin und Absolventin im Master Informationsdesign an der Fakultät Gestaltung Würzburg.

Kunsthaus Michel Würzburg 13.–27. Januar 2024, Eröffnung: 13. Januar 2024, 18 Uhr Öffentlich, Eintritt frei

Öffnungszeiten: Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–13 Uhr

Doppeldeutig – Katja Tschirwitz und Christopher Knaus stellen aus

Doppeldeutig – Katja Tschirwitz und Christopher Knaus stellen aus

17. November 2023 – 5. Januar 2024

Doppeldeutig 
Duo-Ausstellung von Christopher Knaus und Katja Tschirwitz

Was haben wir hier? Zwei Collagierende aus Würzburg, die völlig verschiedene Bildwirkungen erzielen: Während Christopher Knaus aus seinen Weinkapselbildern heraus mal metallene Eleganz und mal stoffliche Papier-Reduktionen entwickelt, lässt Katja Tschirwitz surreale Papierwelten erstehen, die nur scheinbar vertraut wirken.

Für diese absurden Szenen greift Katja Tschirwitz in meditativer Geduldsarbeit auf Tausende einzeln ausgeschnittene Papierteile zurück. Als „Coronagen“ entwickelt im ersten Coronajahr, strahlen die suggestiven Kompositionen meist eine magische, beunruhigende Stille aus. Seit diesem Jahr schafft die Künstlerin auch reduzierte Schwarzweiß-Collagen, die teils auf selbstgemachten Fotografien basieren.

Christopher Knaus formt aus filigran bearbeiteten Weinkapseln Bilder, die in ihrer metallfarbenen Noblesse Ausgangspunkt für weitere Werkgruppen sind. Entstanden ist so ein ganzes System von formalen Beziehungen, das durch erweiterte Materialität lebendig wird: vergrößerte Abstraktionen aus Edelstahl, Blindprägungen in Büttenpapier, mit Weinkapseln veredelte Holzkisten sowie Verhüllungen in Diamantpapier.

Neben ihrer gemeinsamen Passion für die Collage verbindet Tschirwitz und Knaus eine von Kunst und Musik geprägte Freundschaft sowie eine nachbarschaftliche Kreativgemeinschaft – gemeinsame Ausstellungen waren also nur eine Frage der Zeit.

Mel Ramos

Lithographie

Emaille

von Nadine Waldmann

Mel Ramos wurde am 24. Juli 1935 im kalifornischen Sacramento als Sohn portugiesischer Einwanderer geboren. Er zählt zu den bedeutenden Vertretern der Pop Art.

Was ist Pop Art?

Pop Art ist die Abkürzung von Popular Art, also eine Kunst, die im Gegensatz zur betont intellektuellen abstrakten Kunst steht. Sie wendet sich dem Trivialen zu und fordert absolute Realität. Alle Elemente müssen rein und definierbar und klar umrissen sein, deshalb verwenden einige Künstler schwarze Linien, sogenannte Outlines, wie bei Comicheften. Ein weiteres Charakteristikum ist die häufig plakative Wirkung, also eine fehlende Tiefe und flächige Gestaltung. Das Farbspektrum beschränkt sich häufig auf unbunte und Primärfarben. Zwei Grundhaltungen. Anfängliche Begeisterung über den wiedererlangten Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg und damit verbundene Konsumgesellschaft. Später kritische Haltung aufgrund von Vietnamkrieg, Ermordung Kennedys, Rassenunruhen, Drogenkonsum, die Verwundbarkeit der scheinbar perfekten Wohlstandsgesellschaft aufzeigten.

Wichtige Vertreter: Andy Warhol (Werbegrafiker), Roy Lichtenstein, Tom Wesselmann

Mit circa 15 sah Ramos „Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen (Vorahnung des Bürgerkrieges) von Salvador Dali und beschloss auch Künstler zu werden.

Er gestaltete schon in der High School Plakate für das Basketball-Team. Interessierte sich auch schon für Typographie und eignete sich autodidaktisches Wissen an, das später in seiner Kunst immer wieder auftaucht.

Ab 19 studierte er Kunst am Sacramento Junior College, am San Jose State College und an der California State University. Ein Jahr später, noch während des Studiums, heiratete er seine Jugendliebe. Lolita Alice Helmers, genannt Leta, ist selbst Künstlerin und Model.

War ein Schüler von Wayne Thiebaud, der sich vom damals vorherrschenden Abstrakten Expressionismus absetzen wollte. Malte ab 1961 Bilder von Hamburger, Torten, Muffins etc.

Ramos malte anfangs auch bewusst im Stile von Nathan Oliveira, der ebenfalls von portugiesischen Einwanderern abstammte. Menschliche Figuren und Portraits mit dick aufgetragenen Ölfarben und groben Pinselstrichen.

Dann kam es zur Wende in seinen Arbeiten. Ramos beschloss nicht mehr Menschen zu malen, die er kannte, sondern die mit denen er groß wurde und bewunderte. Er wendete sich den Bildwelten der Comichefte zu, ähnlich wie es Lichtenstein bereits tat. Sein erstes Motiv war Superman und damit wurde auch seine Farbpalette greller und reiner. Es folgten dann auch weibliche Superheldinnen.

Über Pin up-Girls nach Postkarten von Earl Moran und Zeichnungen von George Petty und Alberto Vargas und typische Werbearrangements mit aufreizenden Frauen zur Verkaufssteigerung gelangte er zum zentralen Thema seines Schaffens: Commercial Pin ups.

Dumonts Künstlerlexikon umschrieb diese Arbeiten folgendermaßen: „In vulgär-vitaler Pose auf gemalten Warenartikeln drapierte und damit die triviale Glamourgestik einer Werbemasche parodierte, die die Kauflust mit sexuellen Reizen schürt.“ Sie sollten für Jahrzehnte sein Markenzeichen bleiben. Ihn reizt es besonders Sehgewohnheiten aufzubrechen, deshalb sind die Produkte oft überdimensioniert im Vergleich zu den Frauen. Oft setzte er den Frauen auch die Köpfe von Berühmtheiten wie Liz Taylor oder Ursula Andress auf.

Bereits 1964, 10 Jahre nach Beginn seines Studiums, war er regelmäßig auf Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und Europa zu sehen. Arbeiten von ihm fanden Eingang in die Sammlungen des New Yorker MOMA, die Albertina in Wien und das Guggenheim Museum.

Wurde für seine freizügigen Darstellungen aber auch immer wieder kritisiert, anfangs von der konservativen, später von der feministischen Seite.

Seine „Animal Paintings“ aus der Zeit zwischen1964 und 1971 sorgten auch für Aufruhr. In Anlehnung an antike Motive wie Zeus und Europa oder Leda und der Schwan malte er provozierende Frauengestalten, die mit Tieren agieren. Die Bilder sind jeweils nach dem dargestellten Tier benannt, die Frauen wirken eher wie nebensächliche Deko. Dennoch blicken diese den Betrachter selbstbewusst an und agieren aktiver. Auch hier spielt Ramos mit den Größenverhältnissen, Tiere schrumpfen teils auf mittelgroße Kuscheltiergröße. Als diese in Köln gezeigt wurden, schritt sogar die Polizei ein und verhängte die Bilder.

Er selbst äußerte sich bezüglich der Kritik folgendermaßen: „Ich achte darauf, dass meine Bilder „geschmackvoll“ und nicht allzu erotisch sind, dass sie immer einen Anflug von Humor haben. Entweder versteht man, was gemeint ist, oder eben nicht.“

Ab 1972 arbeitete er an der Serie „A Salute to Art History“. Er ehrte damit seine Vorbilder und Inspirationsquellen. Das waren vor allem die Meister der 18. und 19. Jahrhunderts wie Ingres oder Manet. Ramos übersetzt diese in seinen eigenen Stil und seine Gegenwart. Er bezeichnet es als „Saubermachen des Porträts“ und sagt „Die Bilder sind die gleichen, ich habe nur die Patina entfernt.“ Er ersetzt Modelle durch Pin ups mit „Updates“ wie neue Attribute, Bikinistreifen etc.

In den 1980ern widmete er sich bisher für ihn unerforschten Terrain: Selbstporträts und Landschaften. Auch wendete er sich vermehrt der Zeichnung zu, um so den kreativen Schaffensprozess zu veranschaulichen.

Ähnlich verhält es sich mit seinen „UnfinishedPaintings“. Die in klassischen Posen, halb gemalten, halb gezeichneten Figuren erwecken einen unfertigen Eindruck, dokumentieren den Schaffensprozess und verbeugen sich zugleich vor seinen Vorbildern aus der Kunstgeschichte.

In den „Lost Paintingsof 1965“ überarbeitete er Themen und Stile aus vergangenen Arbeitsphasen nochmals.

Ab 2000 stand die griechische Mythologie im Mittelpunkt seines Schaffens.

Er unternahm auch Ausflüge in die Bildhauerei und führte seine Arbeiten so in die Dreidimensionaliät.

Er verstirbt am 14. Oktober in Oakland, Kalifornien.

Bei aller Vielfalt seines Schaffens ist eines den Werken gemein. Ramos möchte nicht, dass der Betrachter gedankenschwer vor seinen Arbeiten steht und überlegt, was der Künstler wohl sagen will. Er greift auf bekannte Motive zurück und schafft es dabei dennoch vertraute Sehgewohnheiten aufzubrechen. Durch seine absurde Kombination von Bildelementen und seinem Spiel mit Illusionen schenkt er dem Betrachter eine Pause von der Normalität